Montag, 17. August 2009

KIND IN FESSELN - gedankenwelt

KIND IN FESSELN
Du Kind in Fesseln, geschnürt wie ein Paket.
Hast deine Grenzen erhalten und akzeptiert.
Du hast vergessen, wie es wäre, wenn du die Hülle fallen lassen könntest, absolut vergessen, was in dir steckt.
Die Verpackung ist solide, keine Chance für dich, sie zu durchbrechen, selbst, wenn du es wolltest.
Jetzt ist da ein Mensch, der sich für dich interessiert, der an deiner Verschnürung rüttelt.
Er signalisiert, dass er dein Innerstes kennen lernen will, und fährt fort, sich an deiner Hülle zu schaffen zu machen.
Du bist nervös, wehrst dich, denn plötzlich spürst du, wie deine "sicheren" Grenzen lose werden.
Mehr Raum, mehr als du gewohnt bist, tut sich auf.
Die Schnur, die dich in deiner Form gehütet hat, lockert sich, fällt schließlich ganz von dir ab.
Dein Gewand aus Papier tut es ihr gleich und lässt dich endlich nach so langer Zeit des In-Dir-Seins den Blick nach Außen richten.
Was du siehst, gefällt dir.
Die Angst vor dem Neuen verblasst nach und nach, wobei du so manches wieder zu erkennen ahnst; du hattest so viel vergessen.
Du hast gelernt in dir, mit dir, für dich zu sein.
Nun hat jemand das Paket geöffnet, das Paket, das so lange auf der Reise war und nun endlich das Ziel erreicht hat.
Ab jetzt beginnt die Uns-Zeit.
Das Kind in dir sucht neue Grenzen, mehr Platz für das Spiel zu zweit.
Du genießt das Licht, in dem du dich nun betrachten kannst.
Du findest Dinge an dir wieder, die im Dunkeln nicht wachsen konnten - Wünsche, Hoffnungen, die schon in deiner Kindheit begraben wurden.
Zu zweit, ein ganz neues Lebensgefühl.
Es gibt noch ganz viele Pakete, die es zu öffnen gilt, die erst in die richtigen Hände gelangen müssen.
Die Mühe lohnt sich in jedem Fall - für den, der öffnen, und für den, der geöffnet werden will.
lenz1212